West Coast Kids 2026: KU64 im Einsatz für unbeschwertes Kinderlachen
Vom 7. bis 14. Februar 2026 waren wir wieder im Rahmen unseres Hilfsprojekts West Coast Kids mit einem zehnköpfigen Team in Südafrika, rund 150 Kilometer nördlich von Kapstadt. In der abgelegenen Gemeinde Paternoster an der Westküste haben wir ehrenamtlich 127 Grundschulkinder zwischen fünf und zwölf Jahren zahnmedizinisch behandelt – und das bereits zum 14. Mal.
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Mit der Erfahrung aus den vergangenen Jahren im Gepäck begann die Reise mit einer vertrauten Anspannung: Was würde uns dieses Jahr erwarten? Werden wir wieder von einem Stromausfall überrascht? Haben alle Kinder eine schriftliche Genehmigung von ihren Eltern für die Behandlung? Diese Fragen begleiteten unser Team, bestehend aus Dr. Stephan Ziegler, der Zahnärztin Juliane Kottenhagen, den zwei Kinderzahnärztinnen Inke Supantia und Dr. Erny Grundmann, der Dentalhygienikerin Michaela Kunkel, der Prophylaxeassistentin Nicole Dickhoff-Kranz, Assistentin und Rezeptionistin Sarah Henkel und den drei zahnmedizinischen Fachangestellten Lysann Kosiol, Huyen Nguyen-Dieu und Nico Schillings, bis zur Ankunft.
Doch noch bevor wir die erste Kiste ausgeladen haben, ist die Nervosität einem vertrauten Gefühl gewichen. Die lautstarke und fröhliche Begrüßung der Kinder und die befreundeten Lehrer und ehrenamtlichen Helfer vor Ort haben unsere anfänglichen Sorgen schnell in den Hintergrund treten lassen. Auch war es sehr bewegend, viele der Kinder wiederzusehen, die wir seit Jahren begleiten.
"Einige unserer ehemaligen Patientinnen und Patienten besuchen inzwischen weiterführende Schulen in anderen Städten. Andere wiederum studieren mittlerweile in Kapstadt und kamen extra vorbei, um das Team zu begrüßen."
Dr. Stephan Ziegler, Chef von KU64 und verantwortlich für die Organisation des Einsatzes vor Ort
Zahnarztpraxis in der Gemeindehalle
Nach unserer Ankunft in Paternoster blieb nur wenig Zeit zum Ankommen im klassischen Sinne. Innerhalb weniger Stunden wurde die Gemeindehalle der Kirche neben der Grundschule in eine provisorische, aber gut funktionierende Zahnarztpraxis verwandelt. Die Behandlungsstühle haben wir – wie in den Jahren zuvor – aus einer stillgelegten Praxis im nahegelegenen Ort ausgeliehen. Instrumente, Füllungsmaterial, Nahtmaterial und sogar zwei mobile Absauganlagen im Kofferformat haben wir aus Deutschland mitgebracht. Dank der detaillierten Checklisten aus den vergangenen Einsätzen saß jeder Handgriff. Die Abläufe waren eingespielt und so konnten wir innerhalb von fünf Behandlungstagen alle 127 Kinder der Grundschule versorgen.
Aha-Momente: Wie Zähneputzen Selbstvertrauen schafft
„In diesem Jahr haben wir den Fokus noch stärker auf Prävention gelegt, um Karies vorzubeugen und den Kindern zu zeigen, wie sie ihre Zähne selbst gesund halten können – mit Aufklärungsvideos und Präsentationen auf Afrikaans“, erzählt Dr. Stephan Ziegler, der mehrere Aufklärungsvorträge hielt. Schon in den ersten Tagen zeigte sich, wie notwendig dieser Schwerpunkt ist: Zucker gehört für viele Kinder zum Alltag, süße Getränke sind jederzeit verfügbar und die Folgen sind an den Zähnen deutlich sichtbar.
Neben der improvisierten Zahnarztpraxis richteten wir in der Gemeindehalle auch ein kleines Kino ein. Bevor es auf den Behandlungsstuhl ging, nahmen die Kinder dort Platz und sahen einen Film über Ernährung, Zuckerfallen und Zahnpflege. Die Inhalte sorgten für viele Aha-Momente und überraschend offene Fragen. Danach wurde gemeinsam geübt: Zähneputzen mit Konzentration, Neugier und viel Motivation. Einige Kinder wollten alles sofort richtig machen, andere brauchten Zeit und Zuspruch. Umso schöner waren die Momente, in denen ängstliche Kinder später von selbst zurückkamen und stolz zeigten, was sie gelernt hatten.
"In diesem Jahr führten wir rund 200 Füllungen durch. Bei früheren Einsätzen waren es häufig 240 oder mehr. Gleichzeitig merken wir, dass die Füllungen heute deutlich kleiner ausfallen. Das zeigt, wie viel Prävention und Aufklärung bewirken können.“
Dr. Stephan Ziegler
Gerade sichtbare Defekte im Frontzahnbereich haben wir gezielt versorgt, wie etwa abgebrochene Schneidezähne nach Stürzen, dunkle Kariesstellen oder deutlich angegriffene Zahnkanten, die man beim Lachen sofort sieht. Denn wir wissen, wie schnell Kinder dafür gehänselt oder ausgegrenzt werden. Zwischen den Behandlungen blieb immer wieder Zeit zum Spielen, Reden und Ablenken. Am Ende wurde jedes Kind mit einer gemeinsamen Gruppenumarmung verabschiedet. Besonders in Erinnerung blieb uns der Besuch des angrenzenden Kindergartens: Die Kleinsten durften wir aufgrund gesetzlicher Vorgaben noch nicht behandeln, aber sie hörten aufmerksam zu, probierten Zahnbürsten aus und nahmen stolz ihre Zahnputzsets mit nach Hause.
Eine emotionale Achterbahnfahrt
Viele andere Momente werden ihre volle Bedeutung vermutlich erst im Rückblick entfalten, denn vor Ort blieb kaum Zeit zum Innehalten. Obwohl wir täglich von Emotionen überrollt wurden, mussten wir konzentriert weiterarbeiten, damit keine der wertvollen Minuten verloren ging.
Was uns dabei immer wieder berührte, war die große Wertschätzung: Die Kinder bedankten sich mit kleinen selbstgemachten Geschenken, Eltern mit selbstgebackenen Köstlichkeiten und auf der Straße wurden wir oft überschwänglich begrüßt.
Nach der Schule war das Team zudem bei einigen Kindern und deren Familien zu Hause eingeladen. Ein wichtiger Anlaufpunkt im Ort ist „Tanni Anni“, die täglich rund 100 Kinder nach der Schule mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Mit unserer Unterstützung konnten wir dazu beitragen, dass dieses Engagement weitergeführt werden kann.
Eine Botschaft, die über Paternoster hinausgeht
Zum Abschied versammelten sich alle Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte im Schulhof, sangen und tanzten für das Team und überreichten eine Grußkarte mit ihren Unterschriften. Der gemeinsame Abschied zeigte, dass unsere Arbeit vor Ort ankommt – auch im Herzen. Immer wieder merken wir, dass es bei dem Projekt um viel mehr geht als nur gesunde Zähne. Wir sind über die Jahre vertraute Gesichter geworden. Auch wenn wir nur eine Woche im Jahr vor Ort sind, begleiten wir viele der Kinder ein Stück ihres Weges als Zuhörer, Freunde und Seelentröster. In solchen Momenten wird uns der Sinn unseres Engagements besonders deutlich und diese Erfahrung möchten wir auch den Menschen in Deutschland mitgeben:
"Hilfe zur Selbsthilfe ist oft eine kleine Geste, die kaum etwas kostet, aber viel auslöst, wenn man nachhaltig dranbleibt.“
Inke Supantia, Kinderzahnärztin bei KU64
Für KU64 ist dieses soziale Engagement ein Weg, Dankbarkeit zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Vor 18 Jahren wurde die Praxis von einer Patientin gefragt, ob sie helfen wolle und machte den ersten Schritt. Seitdem steht das Projekt West Coast Kids für konsequentes Handeln, Teamwork und Solidarität. Niemand wird bezahlt, alles ist ehrenamtlich. Die Mitarbeitenden bringen ihr Know-how und ihre Zeit ein.
Möglich wird der Einsatz zudem durch die Unterstützung von Partnern und Sponsoren wie Simone Jacke, Ideengeberin und Charity-Leiterin für die Unterkünfte und Organisation von West Coast Kids, der Dentalhygienikerin Karen Paulse, die das Projekt seit Stunde Null vor Ort begleitet, Sven Riegel von Druck & Stick Berlin für die Team-Shirts, Henry Schein Dental für 200 Zahnbürsten und -cremes, Condor für den Extra-Service sowie unserem Factoring Partner der BFS Health Finance GmbH.
Dass sich inzwischen andere Ärztinnen, Ärzte und Privatpersonen mit weiteren Charity-Projekten in Paternoster engagieren, bestätigt diesen Weg. Und ganz nebenbei zeigte sich in diesem Jahr, dass sich nicht jede Sorge bewahrheitet. Denn der Strom blieb glücklicherweise durchgehend an.
Verfasst von: Zahnärztin Juliane Kottenhagen, Mitbegründerin des Projekts
Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026