Zahnseide vor oder nach dem Zähneputzen? So reinigen Sie Ihre Zahnzwischenräume richtig

Eine Frau verwendet Zahnseide vor dem Spiegel. © KU64 (KI-generiert)
Für die perfekte Zahnpflege sollte Zahnseide vor dem Zähneputzen angewendet werden. © KU64 (KI-generiert)

Erst Zahnseide, dann Zahnbürste – oder andersherum? Viele Menschen sind unsicher bei der richtigen Reihenfolge. Die gute Nachricht: Mit einer einfachen Routine reinigen Sie Ihre Zahnzwischenräume gründlicher und unterstützen die Mundhygiene für gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch. Lesen Sie, was unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte empfehlen.

Kurz gesagt

Verwenden Sie Zahnseide möglichst vor dem Zähneputzen. So lösen Sie Plaque und Speisereste zuerst aus den Zahnzwischenräumen. Beim anschließenden Putzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta werden die gelösten Beläge entfernt und Fluorid kann besser an die gereinigten Bereiche gelangen, um schädliche Bakterien zu bekämpfen.

Warum Zahnseide vor dem Zähneputzen sinnvoll ist

Bei der täglichen Zahnpflege denken viele zuerst an die Zahnbürste. Das ist richtig, aber reicht noch nicht für die vollständige Pflege. Denn die Zahnbürste reinigt vor allem die gut erreichbaren Außenflächen, Innenflächen und Kauflächen der Zähne.

Besonders die Zahnzwischenräume sind für die Borsten schwer zugänglich. Dort können sich Speisereste, Plaque und Bakterien festsetzen. Denn die Zahnbürste erreicht nur etwa 70 Prozent der Zahnoberflächen, und gerade die schwer zugänglichen Zahnzwischenräume sind besonders anfällig für Karies und Parodontitis.

Zahnseide löst Beläge, die Sie mit der Zahnbürste nicht erreichen

Deshalb ist Zahnseide eine so wichtige Ergänzung zum Zähneputzen – am besten vor dem Putzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta. So lösen Sie zuerst Beläge aus den Zwischenräumen und entfernen sie anschließend mit der Zahnbürste gründlicher aus dem Mund.

“Mit Zahnseide bereiten Sie die Zähne optimal auf die Reinigung mit Zahnpasta vor, so wie Sie erst staubsaugen, bevor Sie den Boden wischen.”

Wichtig ist aber auch die richtige Anwendung. Zahnseide sollte vorsichtig in den Zwischenraum geführt und sanft an der Zahnfläche auf und ab bewegt werden. Zu viel Druck kann das Zahnfleisch reizen oder verletzen. Lassen Sie sich die richtige Technik am besten einmal in unserer Zahnarztpraxis im Rahmen eines Prophylaxe-Termins zeigen – besonders, wenn das Zahnfleisch blutet oder Sie unsicher sind, wie Sie Zahnseide korrekt anwenden.

Zahnpasta kann danach besser wirken

Wenn Sie Zahnseide vor dem Zähneputzen verwenden, sind die Zahnzwischenräume also bereits von gelösten Belägen und Speiseresten befreit. Danach kann die Zahnpasta besser an diese Bereiche gelangen. Das ist vor allem wegen des Fluorids wichtig: Es unterstützt die Remineralisation des Zahnschmelzes und hilft, die Zähne widerstandsfähiger gegen Karies zu machen.

Extra Tipp: Nach dem Putzen sollten Sie die Zahnpasta idealerweise nur ausspucken oder höchstens mit wenig Wasser ausspülen, damit das Fluorid länger auf den Zähnen wirken kann.

Was passiert, wenn Sie Zahnseide erst nach dem Zähneputzen benutzen?

Zahnseide nach dem Zähneputzen ist nicht „falsch“ und auf jeden Fall besser, als die Zahnzwischenräume gar nicht zu reinigen. Die regelmäßige und richtige Anwendung ist wichtiger als die Frage, ob Zahnseide morgens oder abends, vor oder nach dem Putzen verwendet wird.

Wenn Sie sich mit Zahnseide vor dem Putzen nicht wohlfühlen oder Ihre Routine bisher andersherum abläuft, müssen Sie nicht alles auf einmal ändern. Entscheidend ist, dass Sie Ihre Zahnzwischenräume täglich und schonend reinigen, um Speisereste und Plaque zu entfernen. Wer die Reihenfolge leicht anpassen kann, optimiert aber ganz einfach die Zahnpflege.

Was genau sagt die Studienlage?

Eine häufig zitierte Untersuchung zur Reihenfolge von Zahnseide und Zähneputzen wurde mit 25 Zahnmedizinstudierenden durchgeführt (Mazhari 2016: Comparative Efficacy of Dental Flossing Before or After Tooth Brushing on Interproximal Plaque Reduction and Fluoride Retention in That Area). Dabei haben die Forschenden zwei Abläufe verglichen: erst Zähneputzen und danach Zahnseide oder erst Zahnseide und danach Zähneputzen. In der Phase, in der die Teilnehmenden zuerst Zahnseide verwendeten, waren die Beläge in den Zahnzwischenräumen und insgesamt geringer. Außerdem wurde eine höhere Fluoridkonzentration in den Zahnzwischenräumen festgestellt.

Das spricht dafür, Zahnseide vor dem Zähneputzen zu verwenden. Gleichzeitig sollte man die Aussage nicht überbewerten: Eine einzelne Untersuchung mit einer kleinen Gruppe ist noch kein ausreichender Beleg für eine allgemeingültige Empfehlung. Deshalb ist die ausgewogene Einordnung wichtig:

“Aus zahnmedizinischer Sicht ist Zahnseide vor dem Putzen zwar sinnvoller – noch wichtiger ist aber, dass Sie Zahnseide oder ein anderes passendes Hilfsmittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume regelmäßig und korrekt verwenden. Für den Alltag lautet die einfache Faustregel: Reinigen Sie Ihre Zahnzwischenräume einmal täglich, am besten vor dem Zähneputzen.”

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Morgens oder abends – wann ist Zahnseide besser?

Ob Sie Zahnseide morgens oder abends verwenden, ist weniger entscheidend als die Regelmäßigkeit. Wichtig ist vor allem, dass Sie Ihre Zahnzwischenräume einmal täglich gründlich reinigen. Für viele Menschen ist der Abend besonders sinnvoll: Nach dem Essen entfernen Sie Speisereste und Beläge aus den Zahnzwischenräumen, damit sie nicht über Nacht schädlich auf Zähne und Zahnfleisch einwirken können. 

Abends ist der perfekte Moment, um den Tag auch für Ihre Zähne gut abzuschließen. Zwischen Frühstück, Kaffee, Mittagessen und Abendbrot sammelt sich im Laufe des Tages einiges im Mundraum an – oft gerade dort, wo man es selbst kaum sieht. Eine feste Abendroutine hilft, die Zahnpflege nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie ganz selbstverständlich in den Alltag einzubauen, damit die Zähne tip-top gereinigt sind.

So starten Sie mit einem frischen Mundgefühl in die Nacht und unterstützen Ihre Zahngesundheit bestmöglich.

Wenn Sie abends eher zu müde sind und die Zahnseide dadurch auslassen, kann der Morgen hingegen die bessere Lösung sein. Entscheidend ist die Routine, die Sie dauerhaft einhalten.

Faustregel: Lieber jeden Tag morgens Zahnseide verwenden als abends nur gelegentlich.

Die ideale Abendroutine: Zahnseide, Zähneputzen, fertig

Beginnen Sie mit den Zahnzwischenräumen. Verwenden Sie dafür Zahnseide, Interdentalbürsten oder ein anderes Hilfsmittel wie eine Munddusche, das zu Ihren Zähnen passt wie im nächsten Kapitel erläutert. Gehen Sie sanft und gründlich vor.

Nach der Reinigung der Zwischenräume putzen Sie Ihre Zähne gründlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Putzen Sie etwa zwei Minuten lang und achten Sie auf alle Zahnflächen: Außenflächen, Innenflächen und Kauflächen. Wenn Sie eine elektrische Zahnbürste verwenden, lassen Sie den Bürstenkopf langsam von Zahn zu Zahn gleiten. Bei einer Handzahnbürste machen Sie kleine, sanfte Bewegungen vom Zahnfleisch zum Zahn.

Nach dem Zähneputzen reicht es, die Zahnpasta gründlich auszuspucken. Spülen Sie den Mund möglichst nicht mit viel Wasser aus. So bleibt das Fluorid länger auf den Zähnen und kann den Zahnschmelz besser unterstützen. Wenn Ihnen das nicht so leicht fällt, können Sie alternativ im Anschluss eine fluoridhaltige Mundspülung verwenden.

Zahnseide richtig anwenden: Schritt fĂĽr Schritt

Die richtige Technik ist bei Verwendung von Zahnseide genauso wichtig wie die regelmäßige Anwendung. Wer zu stark drückt oder die Zahnseide ruckartig bewegt, kann das Zahnfleisch reizen. Wer dagegen zu vorsichtig ist, entfernt Beläge oft nicht gründlich genug. Mit ein paar einfachen Handgriffen reinigen Sie die Zahnzwischenräume schonend und effektiv – auch an Stellen, die die Zahnbürste allein nicht erreicht.

So fĂĽhren Sie Zahnseide schonend ein

  • Trennen Sie etwa 30 bis 50 Zentimeter Zahnseide ab.
  • Wickeln Sie die Zahnseide an jeder Hand um einen Finger.
  • Lassen Sie die Zahnseide vorsichtig in den Zahnzwischenraum gleiten, aber drĂĽcken Sie nicht ruckartig ins Zahnfleisch.

So reinigen Sie beide Zahnseiten

  • Legen Sie die Zahnseide C-förmig an den Zahn.
  • Bewegen Sie die Zahnseide sanft auf und ab und reinigen Sie bis knapp unter den Zahnfleischrand.
  • Verwenden Sie fĂĽr jeden Zwischenraum ein frisches StĂĽck Zahnseide.

Diese Fehler sollten Sie vermeiden

  • Zu viel Druck.
  • „Sägen“ ins Zahnfleisch.
  • Dasselbe StĂĽck Zahnseide fĂĽr mehr als einen Zwischenraum verwenden.
  • Nur die Frontzähne reinigen.
  • Aufhören, sobald es einmal blutet.

Was bedeutet es, wenn es bei der Anwendung blutet?

Leichtes Zahnfleischbluten bei der Anwendung von Zahnseide ist ein Warnsignal – aber kein Grund, sofort aufzuhören. Häufig blutet das Zahnfleisch, wenn es entzündet oder gereizt ist, zum Beispiel weil sich längere Zeit Beläge in den Zahnzwischenräumen angesammelt haben. Auch eine zu harte oder falsche Anwendung kann das Zahnfleisch verletzen.

Wichtig ist: Verwenden Sie Zahnseide sanft und regelmäßig. Oft beruhigt sich das Zahnfleisch, wenn die Zwischenräume konsequent gereinigt werden. Bleibt das Bluten jedoch über mehrere Tage bestehen, tritt es immer wieder auf oder kommen Schmerzen, Schwellungen oder Mundgeruch dazu, sollten Sie es zahnärztlich abklären lassen. Dann kann eine Zahnfleischentzündung oder Parodontitis dahinterstecken.

Welches Hilfsmittel ist am besten für die Zahnzwischenräume?

Nicht jedes Hilfsmittel zum Reinigen der Zahnzwischenräume passt zu jedem Gebiss. Entscheidend ist, wie eng Ihre Zahnzwischenräume sind und ob Sie empfindliches Zahnfleisch haben. Wenn Sie Kronen, Brücken, Implantate oder eine feste Zahnspange reinigen, eignen sich andere Hilfsmittel besser als herkömmliche Zahnseide. Während diese vor allem bei engen Zwischenräumen sinnvoll ist, reinigen Interdentalbürsten größere Zwischenräume oft einfacher und gründlicher. 

Die folgende Übersicht hilft Ihnen bei der Orientierung, womit Ihre Zahnzwischenräume am besten reinigen. Welche Größe und welches Hilfsmittel wirklich zu Ihren Zähnen passt, zeigt Ihnen Ihr Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin bei KU64 gerne individuell in der Prophylaxe bei KU64.

Tabelle: Das beste Hilfsmittel für die Zahnzwischenräume in jeder Situation

Situation

Geeignetes Hilfsmittel

Warum

Sehr enge Zahnzwischenräume

Gewachste Zahnseide oder Zahnband

Gewachste Seide gleitet leichter durch enge Kontaktpunkte. Zahnband ist breit und flach und dadurch extra gleitfähig.

Normale bis enge Zwischenräume

Ungewachste Zahnseide

Ungewachste Seide fasert stärker auf als gewachste und entfernt Beläge besonders gut.

Größere Zwischenräume

InterdentalbĂĽrste

Die biegsame Minibürste gibt es in verschiedenen Größen und sie hat einen handlichen Griff, sodass sie breitere Zwischenräume effektiver und einfacher als Seide reinigt.

BrĂĽcken, Implantate, festsitzender Zahnersatz

Superfloss, InterdentalbĂĽrste

Superfloss ist eine flauschige Spezialzahnseide und kommt wie BĂĽrsten besser unter BrĂĽckenglieder oder um Implantate als normale Seide.

Feste Zahnspange

Superfloss, Interdentalbürste, ggf. Munddusche ergänzend

Die Spezialzahnseide reinigt wie Bürste und Dusche optimal rund um Brackets und Drähte.

Eingeschränkte Fingerbeweglichkeit

Zahnseidehalter oder InterdentalbĂĽrste

Ein Zahnseidehalter eignet sich zum einfachen Aufspannen der Seide ohne Finger und lässt sich dadurch wie die Bürsten auch leicht bedienen.

Lassen Sie sich die perfekte Technik von uns zeigen

Die tägliche Verwendung von Zahnseide ist ein wichtiger Schritt fĂĽr saubere Zahnzwischenräume und eine verbesserte Zahngesundheit – noch besser wird Ihre Mundhygiene, wenn sie genau zu Ihren Zähnen passt. Bei der Prophylaxe 4.0 von KU64 reinigen wir Ihre Zähne in unserer Zahnarztpraxis professionell und prĂĽfen Ihr individuelles Karies– und Parodontitisrisiko. Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt bei KU64 berät Sie ausfĂĽhrlich, welche Hilfsmittel fĂĽr Ihre Zahnzwischenräume wirklich sinnvoll sind und wie Sie die Hilfsmittel richtig anwenden.

Alle Infos zur Prophylaxe 4.0

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Verfasst von: Dr. Stephan Ziegler